Die Demo ist beeindruckend: Frage eintippen, SQL erscheint, Zahl erscheint. Die Zahl ist falsch — brutto statt netto, alle Q3 seit 2019, Geschäftsjahr ignoriert, ohne Rechteprüfung. Dieses Kapitel zeigt, warum das Sprachmodell SQL kann, aber Ihr Geschäft nicht kennt, und was ein semantisches Modell daran ändert.
Ja — aber nicht die Datenbank, sondern das Modell. Text-to-SQL übersetzt eine Frage in eine Abfrage; das beherrschen Sprachmodelle gut, und die Abfrage läuft fehlerfrei. Was sie nicht kennen, ist Ihr Geschäft: dass „Umsatz netto“ Betrag abzüglich Rabatt und Skonto ist, dass das Geschäftsjahr im Oktober beginnt, dass Storno negative Beträge sind, dass „Region“ über die Dimension läuft und nicht über die alte Spalte im Fakt — und dass der Fragende nur seine Regionen sehen darf. Ohne diese Schicht liefert Text-to-SQL eine plausible Zahl in der richtigen Größenordnung. 5,10 Millionen statt 4,81. Niemand merkt es.
Ein semantisches Modell ist genau diese Schicht: die Definition jeder Kennzahl mit Formel, Beschreibung, Einheit und Verantwortlichem, die Beziehungen mit Kardinalität und Richtung, der Geschäftskalender, die Rollen, die Synonyme. Ein Agent, der über MCP dieses Modell liest, erzeugt DAX oder SQL gegen die Definition statt gegen Spaltennamen — und antwortet mit Beleg: Measure, Tabelle, Filter, Stand der Daten. Dieselbe Frage, dieselbe Datenbank, die richtige Zahl.
Deshalb heißt Talk with your Data nicht „Datenbank in natürlicher Sprache“, sondern „Modell in natürlicher Sprache“. Wer Text-to-SQL für den Fachbereich einführen will, baut zuerst das Modell auf Stufe 3 — Katalog, Lineage, Regelsatz — und prüft dann mit zehn Fachfragen gegen Referenzwerte, ob der Agent neun davon in Toleranz beantwortet. Die Regel aus Kapitel 7 gilt hier wörtlich: Ohne Modell liefert jede Demo plausible Zahlen; mit Modell liefert sie prüfbare.
Das Sprachmodell kennt SQL. Es kennt nicht Ihr Geschäftsjahr, Ihre Stornologik und welche von drei Spalten „Umsatz“ ist.

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Technisch ja; fachlich nur mit semantischem Modell. Ein Sprachmodell erzeugt SQL aus Spaltennamen und kennt weder Ihre Kennzahldefinitionen noch Geschäftsjahr, Stornologik oder Rechte. Mit Modell erzeugt ein Agent die Abfrage gegen die Definition und antwortet mit Beleg: Measure, Filter, Stand.
Die Übersetzung einer Frage in natürlicher Sprache in eine SQL-Abfrage durch ein Sprachmodell. Die Abfrage ist meist syntaktisch korrekt; ob sie fachlich stimmt, hängt davon ab, was das Modell über Kennzahlen, Kalender, Beziehungen und Rechte weiß — also vom semantischen Modell, nicht vom Sprachmodell.
Für Fachfragen DAX gegen das Semantikmodell: Definitionen, Beziehungen, Zeitintelligenz und RLS sind eingebaut, die Antwort entspricht dem Bericht. SQL gegen das Warehouse passt für Fragen unterhalb des Modells — Datenqualität, Ladeprotokolle, Staging gegen Produktion.
Weil die Abfrage ohne Modell gegen Spaltennamen läuft: brutto statt netto, Quartal ohne Jahr, Kalender- statt Geschäftsjahr, Storno nicht ausgeschlossen, falsche Regionsspalte, keine Rechteprüfung. Jeder dieser Fehler liefert eine plausible Zahl, die niemand bemerkt — bis zum Abschluss.
Mit zehn Fachfragen gegen Referenzwerte: je ein Wert aus dem vertrauten Bericht, eine Toleranz, drei Durchläufe, vier Klassen. Abnahme bei mindestens neun von zehn in Toleranz und null sicher-falschen Antworten. Der Fragenkatalog im Arbeitsmaterial liefert vierzig Kandidaten mit dem Kontext, den sie brauchen.
Bringen Sie zehn echte Fachfragen mit. In 30 Minuten stellen wir sie gegen ein Modell Ihrer Wahl — mit und ohne semantische Schicht — und zeigen, wo die Antworten auseinanderlaufen.